In eine neue Dimension trat dieser Tage die bereits erfolgreich durchgeführte Fortbildung zur Fachkraft im Lehmbau. In einem Pilotkurs wurde der nachgefragte nationale Weiterbildungskurs für Bauhandwerker einem internationalen Publikum angeboten. In enger Zusammenarbeit mit dem Dachverband Lehm e.V. als federführender Entwickler des Kurses und der Handwerkskammer Ulm, kam im Kompetenzzentrum Holzbau und Ausbau in Biberach das komplexe Programm zu Umsetzung und Ausführung. Eine Herausforderung für alle Beteiligten war die Durchführung des gesamten Kurses in englischer Sprache.
Wie groß das Interesse auch im internationalen Bereich ist, unterstreicht die Zusammensetzung des 8 Personen umfassenden Kurses: 1Teilnehmer aus Mocambique, 1TN aus Nepal, 2TN aus den USA, 1TNin aus Cypern, 1TN aus Frankreich und 2TN aus Deutschland. Hierbei ist bei allen Aspiranten ein großes Interesse an dem deutschen, mittlerweile sehr fundierten und gut regulierten Lehmbausystem festzustellen. Dabei kommt mittlerweile die beharrliche Forschung und Öffentlichkeitsarbeit des Dachverbands und die fachlich kompetente Ausführung der Kurse im Kompetenzzentrum für Holzbau und Ausbau zum Tragen. Das erworbene Wissen kann hier zusammen mit den gewonnen Erfahrungen auf internationaler Ebene transferiert und verwendet werden.
In diesem Zusammenhang werden Richtlinien zum Umgang mit dem Baustoff Lehm, Aufbau und Eigenschaften des Materials und handwerkliche Kenntnisse bei der Verwendung vermittelt.
Der Aufbau des Kurses ist Modular und behandelt den ganzen Themenkreis der Verwendung von Lehm. Historische Techniken, Mauerwerk aus Lehmsteinen, Stampflehmbau und moderne Trockenbaumaterialien aus Lehm sind Teil der Ausbildung. Dazu kommt noch das breite und kreative Feld des Verputzens. Abgeschlossen wird der Kurs durch eine Prüfung vor der Handwerkskammer in Ulm.
Im praktischen Teil der Ausbildung können theoretisch erlangte Kenntnisse überprüft und neue Fähigkeiten erlernt werden. Natürlich können mit Lehm auch kreative und ungewöhnliche Formen und Strukturen kreiert werden. In der praktischen Anwendung kann auch die zweite, äußerst wertvolle, Eigenschaft von Lehmbaustoffen verdeutlicht werden: Lehm ist wohngesund ? das heißt: Er verfügt über eine ausgleichende Wirkung auf die Raumfeuchte, eine hohe Speicherfähigkeit für Wärme und ist überdies uneingeschränkt recyclingfähig.
Von größtem Interesse war von Seiten der Teilnehmer der wissenschaftliche und regulative Vorsprung in unserem deutschen Regelwerk und die hohen Standards in der Ausführung auf der Baustelle. Abgerundet wird das ganze durch das begehrte Abschlusszertifikat der Handwerkskammer Ulm als Bestätigung für das erworbene Wissen. Dieses würden sie gerne in Ihren Heimatländern umsetzen und Verbesserungen nach dem deutschen Vorbild einführen. Weitere Kurse in diesem Bereich sollen auf diesem Weg helfen und unser nationales Wissen international verfügbar machen.
K-J Weber